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Sachverständigenbüro Richardson
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Verwendung von Asbest und KMF in der Bauindustrie

Asbest in GebäudeIn der Geräte- und Bautechnik fand bis Ende der 1970er Jahre Asbest eine weite Anwendung, z.B. in Asbestzementprodukten oder als Spritzasbest im Baubereich, in Fußbodenbelägen auf Kunststoffbasis, in elektrischen Nachtspeicheröfen, in Haartrocknern, in der Beleuchtungstechnik, zur Isolierung bei Heizungsrohrleitungen, bei Reibbelägen von Bremsen und Kupplungen, als Zuschlagstoff zur Verringerung des Abriebs von Straßendecken und als textile Asbestprodukte, z.B. bei der Brandbekämpfung. Hintergrund der Anwendung waren zum einen die rein physikalischen Eigenschaften im Hinblick auf die Festigkeit des Materials, also auch die Haltbarkeit, zum anderen auch die Widerstandsfähigkeit gegen Hitzeeinwirkungen.

Formal werden zwei Klassen von Asbestprodukten unterschieden:

  1. Fest gebunden: Produkte mit "fester" Bindung der Asbestfasern in der Matrix - Definitionsgemäß handelt es sich größtenteils um asbestzementhaltige Produkte mit einer Dichte von > 1.000 kg/m3. Asbestzementprodukte haben einen vergleichsweise geringen Anteil an mineralischen Bindemitteln, also einen Asbestfaseranteil von ca. 10–15 % oder mehr des Gesamtproduktes. Die Asbestfaserbüschel sind – je nach Abnutzungsgrad – relativ fest im Produkt eingebunden. Beispiele für Asbestzementprodukte sind Dach- und Fassadenplatten, Platten für Fensterbänke und Heizkörpernischenverkleidungen, Lüftungskanäle und -Verkleidungen, Abwasser- und Abgasrohre, druckfeste Leitungen und Dachrinnen. Ebenfalls in Gebäuden anzutreffen sind asbesthaltige PVC-Fußbodenbeläge.
  2. Schwach gebundenen: Asbestprodukte mit Rohdichte < 1000 kg/m3, wegen einem geringen Bindemittelanteil ist das Asbest nicht ausreichend fest gebunden. Durch äußere Einflüsse, wie Erschütterungen und Alterung der Produkte sowie eine direkte Bearbeitung, ist eine Freisetzung möglich, so dass es zu einer unvorhersehbaren, stoßweisen Abgabe von Fasern kommen kann, die zu Spitzenkonzentrationen in der Raumluft führen. Spritzasbest wurde weltweit als Hitzeschutz bei Stahlskelettbauweisen verwendet. Weitere Anwendungsgebiete sind asbesthaltige Brandschutz- und Leichtbauplatten, Asbestpappen, Verstopfmassen und Dichtungen, Kittmassen, Schnüre, Kordeln, Gewebe und Schaumstoffe.

In den 1970er Jahren hatten asbesthaltige Bodenbeläge einen Marktanteil von etwa 20 %. Grundsätzlich sind folgende Belagstypen zu unterscheiden:
Vinyl-Asbest-Fliesen oder Floor-Flex-Platten: meist grau- oder braunmelierte, quadratische, glatte Einzelplatten ohne Trägerschicht, die eine homogene Mischung aus Asbest, organischen Bindern und anorganischen Füllstoffen mit einem durchschnittlichen Asbestanteil von 15 % in fest gebundener Form enthalten.
Schwarzbraune Bitumenkleber, die häufig verwendet wurden, können ebenfalls asbesthaltig sein. Gewissheit über die Asbestfreiheit des Klebers kann letztlich nur eine Materialanalyse geben. Soll neben den Platten auch die möglicherweise asbesthaltige Bitumenkleberschicht entfernt werden, sind Schutzmaßnahmen wie bei schwach gebundenen Produkten zu treffen.
Cushion-Vinyl-Beläge: lageartig aufgebaute, geschäumte PVC-Bahnenware, die auf der Unterseite (Trägerschicht) mit weißer oder hellgrauer Asbestpappe beschichtet ist. Die meist nur einen Millimeter starke Asbest-Trägerpappe besteht zu ca. 90 % aus schwach gebundenem Asbest. Insgesamt macht der Asbestgehalt bei dieser Art von Bodenbelägen bis zu 40 % aus. 1982 wurde die Verwendung vom Gesetzgeber verboten.
Das Hauptvorkommen von künstlichen Mineralfasern resultiert aus dem Einsatz von Mineralwolle zum Wärme- und Schallschutz. Darüber hinaus werden KMF in nahezu allen Bereichen eingesetzt, in denen zuvor Asbest eingesetzt wurde.