Impressum|Sitemap|Kontakt
Sachverständigenbüro Richardson
bauschaden
Druckversion|Seite merken

Vorkommen mittelflüchtiger organischer Verbindungen - SVOC

Da sich Vorkommen und gesundheitliche Auswirkungen zwischen den jeweiligen Gruppen unterscheiden, werden die Gruppen im Folgenden nacheinander behandelt.

Fungizide

Häufigste Vertreter, die jedoch als Holzschutzmittel praktisch nur noch in Altlasten vorkommen, sind Pentachlorphenol (PCP) und Lindan. PCP wurde bis in die 80er Jahre eingesetzt und 1989 in Deutschland verboten. Lindan wurde als Insektizid in Holzschutzmitteln und Insektenbekämpfungsmitteln wie Holzwurmtod eingesetzt. Der Einsatz dieser Mittel führte zum Holzschutzmittelsyndrom und einem der längsten Gerichtsprozesse, dem Holzschutzmittelprozess. In den 80er Jahren wurde insbesondere PCP durch eine Vielzahl andere Wirkstoffe wie das Dichlofluanid, Tolylfluanid, Furmecyclox, Chlorthalonil oder die Triazole Terbucunazol und Propiconazol ersetzt. In den 90er Jahren setzte sich die Erkenntnis durch, dass in Wohnräumen keine Holzschutzmittel eingesetzt werden sollten. Das BgVV begründete dies mit der Vermeidung jeder unnötigen Belastung der Bevölkerung mit biologisch wirksamen Chemikalien. Großflächiges Ausbringen von Holzschutzmitteln in Innenräumen ist laut BgVV als unsachgemäße Anwendung von Holzschutzmitteln einzustufen, die zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen des Anwenders führen kann.

Ein Problem insbesondere in den neuen Bundesländern und in ehemalig von den amerikanischen Streitkräften genutzten Gebäuden ist der Einsatz von DDT zum Holzschutz in Dachstühlen. Während der Einsatz von DDT in den alten Bundesländern 1972 verboten wurde, ist in den neuen Bundesländern bis Ende der 80er Jahre mit einer Anwendung zu rechnen. Insbesondere in Leichtbauten wie Pavillons ist bis in die frühen 70er Jahre mit Chlornaphthalinen als Holzschutzmittel zu rechen, die häufig für einen muffigen Geruch verantwortlich sind.

Insektizide

Bei den Insektiziden gibt es zunächst die alten chlororganischen Wirkstoffe, die mittlerweile nur noch ein Altlastenproblem sind. Probleme mit dem Einsatz von DDT, Methoxychlor oder Dieldrin sind insbesondere aus von den amerikanischen Streitkräften genutzten Gebäuden bekannt. Darüber hinaus können Importartikel aus der dritten Welt wie Teppiche etc. mit diesen Mitteln kontaminiert sein.

Aktuelle Wirkstoffe sind die in den 80er Jahren als "natürliche" Wirkstoffe eingeführten Pyrethrine und Pyrethroide. Während Pyrethrine wie das Pyrethrum, ein natürlicher Wirkstoff, der aus Chrysanthemenblüten extrahiert wird, im Innenraum einem relativ schnellen Abbau unterliegen, führt der Einsatz der synthetischen Pyrethroide wie dem Permethrin oder dem Deltamethrin zu lang anhaltenden Belastungen in Innenräumen. Als Wirkungsverstärker für Pyrethroide wird bei insektenbekämpfenden Mitteln in der Regel Piperonylbutoxid eingesetzt, da es deren Abbau im Körper hemmt.

Weitere aktuell eingesetzte Wirkstoffe sind Propoxur als Insektizid mit Fraßund Kontaktgiftwirkung, in Sprays und in Köderdosen, sowie Phosphorverbindungen wie Phoxim, Chlorpyrifos oder Dichlorvos. Der Einsatz solcher Organophosphate wird beispielsweise mit dem Auftreten von neuropsychologischen Verhaltensstörungen in Zusammenhang gebracht.

Seit den 80er Jahren wird insbesondere Permethrin als Mottenschutzmittel für textile Bodenbeläge aus Wolle verwendet. Während die Teppichindustrie davon ausgeht, dass das Permethrin an den Teppichboden gebunden ist, treten im Hausstaub von Gebäuden, in denen solche Böden verlegt sind, deutlich erhöhte Gehalte auf, die insbesondere für Kleinkinder problematisch sein können.

PAK (Polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe)

Polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe sind eine Gruppe von mehreren hundert Einzelverbindungen, die bei Erhitzungs- oder Verbrennungsprozessen unter Sauerstoffmangel (Pyrolyse) auftreten und daher z.B. in großen Mengen in Ruß enthalten sind. Sie sind daher Bestandteil der Emissionen vieler industrieller Prozesse und des Kfz-Verkehrs und in der Umwelt ubiquitär verbreitet. Innenraum hygienisch relevant sind PAK vor allem durch den Einsatz von Steinkohlenteer als Parkettkleber bis Ende der 60er Jahre. Bekannt wurde das Problem durch die Wohnungen der ehemaligen Alliierten (Housings), ist aber nicht auf diese beschränkt. Weitere Quellen sind Teeranstriche und der Einsatz von Teerölen als Holzschutzmittel (Carbolineum), der durch die Teerölverbotsverordnung von 1991 unterbunden wird. Eine Besonderheit ist das Naphthalin, das früher als Mottenschutzmittel eingesetzt wurde. Wegen seines muffigen Geruchs und seiner krebserregenden Eigenschaften wird es seit Jahren nicht mehr verwendet.

Zahlreiche Vertreter der PAK sind als krebserzeugend (K2) eingestuft. Für die Aromatengemische des Steinkohlenteers und der Steinkohlenteeröle ist die krebserzeugende Wirkung beim Menschen epidemiologisch nachgewiesen. Deshalb wurden sie als beim Menschen eindeutig krebserzeugend eingestuft (K1). Als Bewertungsgrundlage für Belastungen von Innenräumen durch PAK-haltige Materialien dient die "Empfehlung zu Polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) in Wohnungen mit Parkettböden" des Umweltbundesamtes vom 28.04.1998. PAK können sehr gut in Staub, Material und Luft analytisch nachgewiesen werden.

Polychlorierte Biphenyle (PCB)

PCB wurden insbesondere in öffentliche Bauten der 60er und 70er Jahre und Plattenbauten in den alten Bundesländern durch Fugendichtmassen, Lacke, Farben und Kondensatoren eingebracht. Es konnten auch relevante Konzentrationen an PCB in Wohngebäuden (alte Bundesländer) festgestellt werden. Die Stoffgruppe der PCB besteht aus 209 unterschiedlichen Substanzen (Kongeneren), wobei in der Praxis technische Gemische unterschiedlichster PCB eingesetzt werden. Die Toxizität der einzelnen Kongenere kann in Abhängigkeit von ihrem Chlorierungsgrad und damit ihrer Flüchtigkeit und ihrer Struktur erheblich differenzieren. Die schwerer flüchtigen PCB werden hauptsächlich über die Nahrung aufgenommen und reichern sich im Fettgewebe an. Ihre biologischen Halbwertzeiten liegen bei bis zu 28 Jahren. Höher chlorierte PCB sind eher für systemische Effekte (Nervensystem, Immunsystem) verantwortlich.

Für Innenraumbelastungen relevanter sind die leichter flüchtigen PCB. So ist bei den leichter abbaubaren, flüchtigeren PCB zwar mit geringerer Anreicherung im Körper aber möglicherweise mit verstärktem Auftreten von gentoxischen Metaboliten zu rechnen. Es gibt Hinweise darauf, dass die flüchtigeren PCB toxischer als die weniger flüchtigen wirken. Ein besonderes Problem sind die sog. planaren PCB, die in unterschiedlichen Mengen in allen PCB-Gemischen vorkommen. Sie sind von der toxischen Wirkung her mit Dioxinen vergleichbar.

Luftgrenzwerte wurden bisher nur aus oralen Expositionsstudien abgeleitet, so dass eine Neubewertung der PCB bei Exposition durch die Raumluft dringend erforderlich erscheint.

Seit der PCB-Verbotsverordnung (1989) ist in Deutschland das Inverkehrbringen von Polychlorierten Biphenylen sowie von Zubereitungen mit einem Gehalt von mehr als 50 mg/kg PCB verboten. Eine aktuelle Übersicht über die PCB- Problematik findet sich in der Broschüre "PCB: Begrenzter Nutzen - grenzenloser Schaden" sowie dem Buch "PCB - Belastung in Gebäuden".

Die orientierende Untersuchung von Innenräumen erfolgt über die Bestimmung der Luftkonzentrationen von fünf Kongeneren, auf deren Basis die PCB-Verordnung Empfehlungen für einen Handlungsbedarf in öffentlichen Gebäuden vorgibt. Materialuntersuchungen sind unverzichtbar bei der Quellensuche.

PCB-Fugenmasse

Trialkylphosphate (Flammschutzmittel / Weichmacher)

Trialkylphosphate (Phosphorsäureester) werden verbreitet als Flammschutzmittel und Weichmacher eingesetzt. Während anorganische Flammschutzmitteln festgebunden im Material vorliegen, kann der Einsatz von organischen Flammschutzmitteln zu erheblichen Kontaminationen von Innenräumen über die Raumluft und den Hausstaub führen. Beispiele sind das Tris(2-chlorethyl)phosphat (TCEP) und das Tris(monochlorpropyl)phosphat (TCPP). Sie finden Einsatz in PU-Schäumen (Polstermöbel, Matratzen, Montageschäume), Farbanstrichen und Tapeten. Bei großflächigem Einsatz können bei empfindlichen Personen Reizwirkungen auf Haut und Schleimhaut beobachtet werden. Darüber hinaus ist TCEP mittlerweile in Deutschland als krebserregend (K2) eingestuft, weshalb es mittlerweile durch das weniger gut erforschte TCPP ersetzt wird.

Ein weiterer Phosphorsäureester, der in Innenräumen von Relevanz ist, ist das Tris(2-butoxyethyl)phosphat (TBEP), das in rutschhemmenden Fußbodenpflegemitteln eingesetzt wird.

Ursachen

Substanz/
Substanzgruppe
Vorkommen, Eigenschaften
Biozidex
PCPHolzschutzmittel bis in die 80er Jahre, Fungizid in Latex und Leder, in D seit 1989 verboten
LindanInsektizid, Einsatz in Holzschutzmitteln, Holzwurmtod, Insektenbekämpfungsmitteln
DichlofluanidFungizid, Ersatzstoff für PCP, bei inhalativer Aufnahme deutlich toxischer als bei oraler

DDTInsektizid, in Deutschland seit 1972 verboten, nach wie vor relevant in Altbauten und Importartikeln
MethoxychlorInsektizid, Vorkommen und Verwendung ähnlich DDT
DieldrinInsektizid, Importwaren aus Naturstoffen, Vorkommen wie DDT
HexachlorbenzolPflanzenschutzmittel, Saatbeizmittel, Blutbelastungen sind i. d. R. nahrungsbedingt, praktisch keine Anwendung in Innenräumen
ChlornaphthalineHolzschutzmittel bis frühe 70er Jahre, muffiger Geruch
Ethylparathion (E605)Insektizid mit breitem Wirkungsspektrum, Phosphorsäureester, Hemmung der Colinesterase
PropoxurInsektizid mit Fraß- und Kontaktgiftwirkung, Anwendung als Spray und in Köderdosen
PyrethrumNatürliches Insektizid aus Chrysantemenblüten, rel. schneller Abbau im Innenraum
PyrethroideGruppe synthetischer Insektizide, die seit Begin der 80er Jahre zunehmend Einsatz findet
PermethrinInsektizid (Mottenschutzmittel, Insektenbekämpfungsmittel), neurotoxisch
PiperonylbutoxidWirkungsverstärker für Pyrethroide, hemmt deren Abbau im Körper, Insektenbekämpfungsmittel
Eulan WA neuMottenschutzmittel, Einsatz bis 1988, dioxinähnliche Struktur
IsothiazolineKonservierungsmittel in Lacken, Klebern, Befeuchtern (Klimaanl. etc.), sensibilisierende Wirkung
Polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK)organische Pyrolyseprodukte, Teerprodukte wie Teerkleber (Verklebung von Bodenbelägen), Teeröle zum Holzschutz (Carbolineum), Einsatz im privaten Bereich verboten, z.T. krebserregend (K2)
Benzo(a)pyrenIndikatorsubstanz für krebserregende PAK (K2)
Naphthalinnicht mehr verwendetes Mottenschutzmittel, muffiger Geruch (K3)
DioxineVerunreinigung insbes. in PCP und PCB, entsteht in Brandfällen, in denen Chlorprodukte wie z.B. PVC beteiligt sind, 2,3,7,8-TCDD (Seveso-D.) ist giftigster vom Menschen hergestellter Stoff
Flammschutzmittel/ Weichmacherflammhemmende und weichmachende Substanzen insbesondere für Kunststoffe, Lacke etc.
Polychlorierte Biphenyle (PCB)Fugendichtmassen, Lacke, Farben, Kondensatoren, Transformatoren; Einsatz bis 80er Jahre, immuno.- und neurotoxisch, Probleme insbesondere in öffentlichen Bauten der 60er und 70er Jahre
Phthalateinsbesondere in Weich-PVC-Produkten aber auch in Kosmetika, hormonähnliche Wirkung
PhthalsäureanhydridAusgangsprodukt für Alkydharze, Phthalate etc., sensibilisierend
PhosphorsäureesterTCEP, TCPP insbesondere in Produkten auf PU-Basis (Schäume, Lacke), TCEP krebserregend (K2), TBEP in rutschhemmenden Fußbodenpflegemitteln
Dibutylzinnverbindungen (DBT)Stabilisatoren insbesondere für PVC-Produkte, immunotoxisch, hormonähnliche Wirkung
Tributylzinnverbindungen (TBT)Fungizid (z.B. TBTO, HSM, Antifoulingfarbe), Verunreinigung in DBT- Stabilisatoren, immunotoxisch, hormonähnliche Wirkung