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Sachverständigenbüro Richardson
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Gesundheitsgefährdung durch Schimmelpilze

Die möglichen gesundheitlichen Auswirkungen einer Schimmelpilz-Exposition werden in drei Wirkprinzipien unterteilt:

  • Allergien
  • toxische Effekte
  • Infektionen

Allergien

Bis zu 60% der genetisch disponierten Menschen (Atopiker) entwickeln eine Allergie gegen Schimmelpilze. Schimmelpilze bzw. deren Sporen sind hochpotente Allergene bzw. Allergenmischungen. Pilzsporen enthalten bis zu 30 unterschiedliche Allergene. Nach Sensibilisierungen können typische allergische Störungen (z.B. allergische Rhinitis, allergisches Asthma bronchiale, Neurodermitis) sowie diffuse Befindlichkeitsstörungen (z.B. "Chronisches Müdigkeitssyndrom") auftreten. Hierbei sind alle vier Allergietypen möglich, wenn auch die Typen I (IgE-vermittelte Sofortreaktion) und IV (zellvermittelte Spätreaktion) von besonderer Bedeutung zu sein scheinen.

Toxische Effekte

Pilze können Agenzien produzieren, die toxisch bzw. auch irritierend wirken. Die Agenzien werden in zwei Gruppen aufgeteilt:

  1. Sekundäre Stoffwechselprodukte wie Mycotoxine, Antibiotika und VOCs
  2. Strukturkomponenten wie b-(1-3)D-Glucan aus der Zellwand.

Mykotoxine

Inhalation von mycotoxinhaltigen Pilzbestandteilen kann auch bei gesunden Menschen zu unspezifischen Beschwerden führen. So zeigen Trichothecene (von Stachybotrys und Fusarium) eine hohe Toxizität gegenüber Zellen des Immunsystems (alveolären Makrophagen) und schwächen das Immunsystem. Biologische Effekte von Mykotoxinen im Laborversuch:

  • Akut und chronisch toxisch
  • Cytotoxisch
  • Neurotoxisch
  • Immunsupressiv
  • Teratogen
  • Mutagen
  • Cancerogen
  • Anti-Tumor-Effekte

Wenig bekannt ist über die Auswirkungen bei realen Innenraum-Bedingungen, z.B. wenn mehrere Schimmelpilzarten auftreten. Untersuchungen über synergetische Effekte fehlen noch. Durch Inhalation von organischen, mit Toxinen belastetem Staub können grippeähnliche Symptome beim Menschen hervorgerufen werden (ODTS: Organic Dust Toxic Syndrome). Der belastete Staub ist eine Mischung aus Endotoxinen, Glucanen, Antigenen und Mycotoxinen.

Aufgelistet werden hier im Innenraum häufig nachzuweisende Schimmelpilzarten, die Toxine bilden können:

Schimmelpilz
Mycotoxin
Gesundheitlicher Effekt
Acremonium sp. CephalosporinAntibiotikum
Aspergillus flavusAflatoxinmutagen, cancerogen, hepatotoxisch
Aspergillus fumigatusVerruculogen, Fumagillin, Gliotoxinkrampferzeugend, cytostatisch und cytotoxisch
Aspergillus nidulansSterigmatocystincancerogen (Leber)
Aspergillus versicolorSterigmatocystincancerogen (Leber)
A. ochraceus- GruppeOchratoxincytotoxisch, nephrotoxisch, hepatotoxisch
ChaetomiumChaetominnephrotoxisch
CladosporiumEpicladosporinsäureimmunsuppressiv
FusariumTrichothecenexx
Penicillium viridicatum, verrucosumOchratoxincytotoxisch, nephrotoxisch, hepatotoxisch
P. crustosumRoquefortin Ckrampferzeugend, neurotoxisch
P. expansumPatulin, Roquefortin C, Citrinincancerogen, neurotoxisch, nephrotoxisch
P. griseofulvumGriseofulvintumorfördernd, teratogen, hepatotoxisch
Stachybotrys chartarumSatratoxinBelastung: entzündungsfördernd
Auflistung einiger bekannter im Innenraum relevanter Schimmelpilze, deren Mykotoxine und ihre gesundheitlichen Auswirkungen, aus: Bioaerosols: Assessment and Control, 1999

Gesundheitliche Effekte durch Mykotoxine werden durch eine weite Bandbreite an Konzentrationen erreicht. So sind z. B. die Trichothecene von Fusarium und Stachybotrys wesentlich potenter als die Epicladosporinsäure aus Cladosporium. In der üblichen Messpraxis im Innenraum werden Mycotoxine zur Zeit nicht erfasst.

Glucane als Toxine

Beta-(1-3)-D Glucane sind Bestandteile der Pilz-Zellwand. Glucane wirken auf die Makrophagen und neutrophilen Zellen des Immunsystems. Glucane sind ein Teil der Mischung, die an ODTS beteiligt sind. In der üblichen Messpraxis werden Glucane nicht erfasst.

Infektiöse Wirkung

Die meisten Schimmelpilzarten verursachen keine Infektionen. Bei immungeschwächten Menschen können Infektionen durch Aspergillus fumigatus, Aspergillus flavus und Aspergillus niger verursacht werden. Bei abwehrschwachen Menschen können Mucor und Rhizopus Mykosen verursachen.

Zusammenfassung

Schimmelpilze können gesundheitliche Auswirkungen haben. Es gibt einen eindeutigen Zusammenhang zwischen Feuchtigkeit/Schimmelpilzwachstum im Wohnbereich und gesundheitlichen Beschwerden (Atemwegssymptome, Allergien) bei den Bewohnern. Aus diesem Grund sollten zur gesundheitlichen Risikominimierung Schimmelpilze im Innenraum nicht aus Quellen im oder am Haus nachzuweisen sein.