Impressum|Sitemap|Kontakt
Sachverständigenbüro Richardson
bauschaden
Druckversion|Seite merken

Messstrategie

Zur Erfassung und Bewertung von Schimmelpilzschäden gibt es kein Standardverfahren. Die Vorgehensweise, der Untersuchungsumfang und die Untersuchungsverfahren sind abhängig vom jeweiligen Anlass und der Aufgabenstellung. Für die Erfassung und Bewertung von Schimmelpilzquellen in Innenräumen sind Begehungen durch sachkundige Personen unverzichtbar. Die mit der Durchführung befassten Fachleute sollten neben bautechnischer und bauphysikalischer Kenntnisse auch über ausreichendes Fachwissen in den Bereichen Innenraumlufthygiene und Mikrobiologie verfügen.

Untersuchungen erfolgen mit dem Ziel der Identifizierung von Schimmelpilzquellen in Innenräumen. Zur Absicherung von Augenscheinbefunden und Klärung von Verdachtssituationen stehen der Sachverständigen verschiedene messtechnische Untersuchungsmethoden zur Verfügung. Dabei handelt es sich um Verfahren zur Ermittlung der Schimmelpilzkonzentration in Materialien oder an Materialoberflächen, um Verfahren zur Messung der Schimmelpilzkonzentration in der Raumluft und um Verfahren zur Bestimmung der Schimmelpilzkonzentration in Staubablagerungen.

Anlässe für eine mikrobiologische Untersuchung des Innenraums können sein (siehe auch Tabelle):

  • sichtbare Schäden Geruchsbelästigung
  • Materialfeuchtigkeit ohne sichtbaren Schaden
  • bauphysikalische Auffälligkeiten ohne sichtbaren Schaden
  • gesundheitliche Beschwerden
  • Kontrolluntersuchungen während und nach einer Sanierung

In Verdachtsfällen ohne augenscheinlich erkennbare Quellen kann geprüft werden, ob eine erhöhte Schimmelpilzkonzentration im Innenraum vorliegt. Je nach konkretem Anlass können dazu folgende Medien untersucht werden:

  • Materialien und deren Oberflächen
  • Innenraumluft im Vergleich mit der Außenluft
  • Hausstaub (wird hier nicht näher erläutert)

Untersuchung von Materialien oder deren Oberflächen

Zur Auswahl einer geeigneten Untersuchungsmethode und zur Festlegung der Probenahmestellen sind folgende Fragen abzuklären:

  • Ist von einem Schimmelpilzwachstum oder einer Sekundärkontamination an der Fläche oder dem Material auszugehen?
  • Ist von einer oberflächlichen Besiedlung oder einer Besiedlung tieferer Schichten auszugehen?
  • Sind die zu erwartenden oder interessierenden Schimmelpilzspezies kultivierbar?
  • Sind Referenzdaten zur Bewertung eines Materialbefundes verfügbar?

    Zur Bestätigung eines Schimmelpilzverdachtes an Oberflächen können das Abklatschverfahren mit einem Nährmedium und die Klebefilmabrissprobe durchgeführt werden. Voraussetzung für den Einsatz des Abklatschverfahrens ist die Kultivierbarkeit der Schimmelpilze. Wurde die Fläche bereits desinfiziert oder liegt der Verdacht eines Befalls mit Stachybotrys chartarum vor, ist das Abklatschverfahren nicht geeignet. In diesen Fällen sind Klebefilmpräparate von den Oberflächen durch Direktmikroskopie zu untersuchen. Bei der Untersuchung von Materialien mit rauen Oberflächen (z.B. Putzen, Dämmstoffen) sind Oberflächenbeprobungen (Abklatsch oder Klebefilmabriss) nicht geeignet. Die Proben werden üblicherweise suspendiert und die Schimmelpilzkonzentration durch Kultivierung oder durch Direktmikroskopie ermittelt. Bei allen Materialuntersuchungen sollten möglichst vor Ort zusätzlich auch von unbelasteten Bereichen Referenzproben entnommen werden, die bei der Bewertung ggf. als Vergleichsmaßstab herangezogen werden können.

Die Untersuchungen der entnommenen Materialproben führen wir in unserem akkreditierten mikrobiologischen Labor nach höchsten Qualitätsstandards durch.

Untersuchung von Raumluftproben

Die Raumluft wird mit dem Ziel untersucht, anhand der Konzentrationen von Schimmelpilzen in einer repräsentativen Luftprobe die Wahrscheinlichkeit von Schimmelpilzquellen im Innenraum abzuklären. Dazu sind Fenster und Türen des Raumes mindestens acht Stunden vor der Probenahme zu verschließen und während der Messung verschlossen zu halten. Zum Vergleich wird standardmäßig eine Außenluftmessung durchgeführt.

Je nach Aufgabenstellung wird die Messung entweder in Ruhe, bei normaler Nutzung oder mit einer gezielten Mobilisierung von Sporen durch Anblasen der Oberflächen durchgeführt. Zur Auswahl des Messverfahrens und zur Festlegung der erforderlichen Anzahl von Messpunkten ist im Vorfeld einer Messung zu prüfen, welche Einflussgrößen und Randbedingungen in der konkreten Situation vorliegen.

Die Raumluft-Probenahme kann entweder als Gesamtsporensammlung mit direktmikroskopischer Auswertung oder als Luftkeimsammlung mit nachfolgender Kultivierung erfolgen.

Alle Messungen werden durch unsere erfahrenen Mitarbeiter mit kalibrierten Geräten durchgeführt und in unserem eigenen akkreditierten Labor ausgewertet.

Ortsbegehung

Bei einer Innenraumuntersuchung wird grundsätzlich zunächst eine Ortsbegehung zur Bestandsaufnahme durchgeführt. Hierbei werden der Anlass für die Untersuchung und Einzelheiten zur Gebäudebeschaffenheit, Raumausstattung etc. erfasst. Im Rahmen einer Ortsbesichtigung ist die Bausubstanz, insbesondere die Oberflächen kritischer Bauteile, visuell zu überprüfen (z.B. auch durch Endoskopie). Zusätzlich sind auch die möglichen Voraussetzungen für ein Schimmelpilzwachstum abzuklären. Erhoben werden dabei wichtige physikalische Parameter, wie Temperatur und Feuchtigkeit im Raum und auf Materialien (z.B. Tauwasser). Bei unklaren Befunden können auch weitergehende bauphysikalische Untersuchungen (z.B. Baufeuchtemessung, Thermographie, Blower-Door-Verfahren) eingesetzt werden.

Ein sichtbarer Schimmelpilzschaden kann durch fachkundige Personen in aller Regel durch Inaugenscheinnahme ohne aufwändige Untersuchungsverfahren festgestellt werden.

Tabelle: Entscheidungshilfe zur Vorgehensweise nach Ortsbegehung
xBefund und Aufgabenstellung
Zu untersuchende Medien
Weitere Vorgehensweise
xxMaterialInnenraumluftStaubx
1Vermutete Schimmelpilz-Schäden auf Grund von:xxxx
2.1Material-FeuchtigkeitIIIIIUrsache der Feuchtigkeit abklären und ggf. beseitigen
2.2Bauphysikalischen / bautechnischen Auffälligkeiten
-IIIAuffälligkeiten überprüfen, ggf. Quellenidentifizierung und Mängelbeseitigung
2.3Gesundheitlichen Beschwerden-IIIQuellenidentifizierung und -beseitigung
2.4Geruchsbelästigung-IIIIdentifizierung der Geruchsquelle
3SanierungsbegleitungI
I

(Erfolgskontrolle)
II

(Sekundärkontamination)
x
I Geeignete Untersuchung zur Beantwortung der Aufgabenstellung
II Ergänzende Untersuchung zur Beantwortung der Aufgabenstellung (optional) *) Materialuntersuchungen sind bei Bagatellschäden (Kategorie I des UBA-Schim- melpilzleitfadens) nicht notwendig