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Sachverständigenbüro Richardson
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Grundsätzliches zu einer Sanierung

Für Wachstum und Vermehrung der Mikroorganismen sind zwei wichtige Faktoren notwendig: ein Nährboden und Feuchtigkeit. Als Nährböden kommen alle organischen Materialien in Frage, wie Teppiche, Möbel, Holz, Holzwerkstoffe, Gipskarton, Papier und Kunststoffe. Hohe Luft- und / oder Materialfeuchten werden verursacht durch ungenügendes Austrocknen der Neubaufeuchte, Kondensation (Luftundichtigkeit, Wärmebrücken, Diffusionsdichtigkeit) und Wasserschäden aller Art.

Von Schimmel befallene Stellen sollten aufgrund der möglichen Gesundheitsschädigung möglichst bald im Rahmen einer Sanierung entfernt werden. Die Beseitigung der pilzbefallenen Stellen muss fachlich richtig durchgeführt werden, um eine unnötige Kontamination der Wohnräume mit Pilzsporen zu vermeiden. Während der Beseitigung muss auf den Gesundheitsschutz, u. a. Verwendung von geeigneten Atemschutzfiltern, geachtet werden: Die Beseitigung von pilzbefallenen Baumaterialien führt zu einer signifikanten Freisetzung der Mikroorganismen in die Innenraumluft und kann zu allergischen oder toxischen Gesundheits- und Atembeschwerden führen. Deshalb ist es wichtig, ein Sanierungskonzept zu erstellen, das die Arbeiter, nicht belastete Innenräume, das Lüftungssystem und alle Personen im Gebäude schützt.

Schimmelpilz ist nicht gleich Schimmelpilz. Es gibt Schimmelpilzarten in Gebäuden, die über ein allergisches Potential verfügen, und Arten, die Gifte (Mykotoxine) bilden. Bei gewerblichen Arbeiten muss geprüft werden, ob die Schimmelpilzart in die Biostoffverordnung fällt.

Deshalb ist es wichtig, vor der Sanierung die Arten zu bestimmen, um den Sanierungsaufwand genauer planen zu können. Wird die Art nicht bestimmt, ist von der höchsten Sicherheitsstufe auszugehen.

Sanierungsablauf

Die Sanierung von Schimmelpilzen, die beim Menschen Krankheiten auslösen können (Toxinproduzenten oder Infektionsauslöser), sollten vom Grundsatz her an die Asbestrichtlinie angelehnt werden.

Die Abschirmung von unbelasteten Räumen ist eine Möglichkeit, die Bewohner vor einer Sekundärkontamination während der Sanierungsarbeiten zu schützen. Das sogenannte "Containment" ist vergleichbar mit Schutzmaßnahmen bei einer Asbestsanierung. Es wird durch die Installation von sehr dicker Plastikfolie, die Räume oder Teile von Räumen in Sektionen abtrennt, erreicht.

Bei der Beseitigung von pilzbefallenen Baumaterialien ist die Freisetzung von Staub zu vermeiden.

Soweit möglich sollten alle Baumaterialien und Innereinrichtungen mit Befall entsorgt werden. Die Erfahrungen haben gezeigt, dass die sorgfältige Entfernung von Bauschutt und Staub sehr wichtig ist, da Schimmelpilzsporen und andere Schimmelpilzrückstände an den Staub gebunden in die Raumluft gelangen. Dies wurde durch Kontrollmessungen erfasst. Nach der Entfernung des Materials ist die Reinigung des Arbeitsbereiches von entscheidender Bedeutung. Der Arbeitsbereich wird mit geeigneten starken Staubsaugern z.B. der BIA-Kategorie H durchgeführt.

Der Einsatz von chemischen Antipilzmitteln (Fungiziden) bietet aufgrund von Resistenzbildungen keine dauerhafte Lösung. Da die Inhalts- stoffe der käuflichen Mittel nur ungenau deklariert werden, ist eine Abschätzung der gesundheitlichen Folgen dieser z.T. lange wirkenden Biozide schwierig. Bei Behebung der Ursache ist die Anwendung von Fungiziden auch nicht notwendig.

Es kann jedoch eine Desinfektion durch Wischen mit einer Wasser- stoffperoxidlösung oder einer alkoholischen Lösung, z.B. Brennspiritus, durchgeführt werden. Auch hier ist auf die entsprechenden Schutz- maßnahmen zu achten.

Über die Sofortmaßnahmen hinaus ist eine Sanierung der Ursachen des Schimmelpilzbefalles (Wärmebrücken, mangelnde Entlüftung im Bad, Erstellung einer intakten Luftdichtung usw.) notwendig, da ansonsten eine dauerhafte Beseitigung des Schimmelbefalls nicht möglich ist.

Vor einer erneuten Verkleidung von Wänden und Decke sollten diese auch im Inneren ausgetrocknet sein. Dies lässt sich durch intensives Heizen und Lüften oder den Einsatz von Kondensationstrocknern beschleunigen. Der Erfolg dieser Maßnahmen sollte durch Feuchtigkeitsmessungen im Inneren der Bauteile überprüft werden. Bei der Neuverkleidung sollte vorsichtshalber auf die Anbringung dampfdichter Materialien wie PVC-Struktur-Tapeten verzichtet werden.

Nur wenn alle Faktoren erfasst wurden, die zu einer Pilzbelastung führten, kann sinnvoll saniert werden.

  1. Ursache finden
  2. Ursache beseitigen
  3. erstellen eines Plans über den sinnvollen Ablauf einer Sanierung
  4. Entfernung aller besiedelten Materialien soweit möglich
  5. Trocknung aller feuchten Materialien
  6. mechanische Reinigung aller Oberflächen
  7. Filterung der Luft mit HEPA-Filtern
  8. Kontrolle der Sanierung
Kriterium
-Belastungsstufe-
empfohlene Schutzmaßnahme im Arbeitsschutzbereich
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Arbeiten über mehr als eine Stunde, und/oder starke Entwicklung von Feinstaub bzw. Aerosolen, Arbeiten über Kopf ooxAtemschutz mit P3-Masken; empfohlen werden gebläseunterstützte TM3P Halbmasken bzw. Atemschutzhauben, TH3P, Einwegschutzanzug mit Kapuze Kat. III, Typ 5 + 6, (bei Arbeiten mit belastetem Wasser gegen Mikroorganismen dicht), Schutzbrille, Handschuhe s.o., der Baustelle angepasste abwaschbare Schuhe ggf. Überziehschuhe, möglichst technische Luftabsaugung
kurzzeitige Arbeiten, und/oder vornehmliche Entwicklung von GrobstauboxoEinwegschutzanzug, Schutzbrille, Handschuhe Atemschutz mit P3-Filter, empfohlen werden gebläseunterstützte TM3P Halbmasken
z.B.: staubfreies Entfernen von kleinen Flächen  Schimmelpilzbefallener Materialien z.B. Entfer-nung einer Silikonfugexookeine besonderen Schutzmaßnahmen

bei Kontakt mit belastetem Wasser mikroorganismendichte Handschuhe

Sanierungskontrolle

Nach Abschluss der Sanierungsarbeiten, aber in der Regel vor Beginn des Neuaufbaus wird der Erfolg der Maßnahmen kontrolliert. Hierzu erfolgt zunächst eine visuelle Kontrolle, ob mit Schimmelpilzen belastete Materialien vollständig und wie im Sanierungskonzept festgelegt entfernt sind. Außerdem wird kontrolliert, ob die Reinigung ausreichend ist und keine erkennbaren Staubablagerungen vorhanden sind. Wenn bei der Sichtkontrolle keine Beanstandungen auftreten, erfolgt eine Raumluftmessung auf Schimmelpilzsporen. Dabei gelten gemäß WTA Merkblatt E-2-14: "Schimmelpilzschäden – Ziele und Kontrolle von Schimmelpilzsanierungen in Innenräumen" die folgenden Sanierungszielwerte:

 

Pilztypvor Mobilisierung
(Sporen/m³)
nach Mobilisierung
(Sporen/m³)
Typ Alternaria/Ulocladium100200
Typ Ascosporen400800
Typ Aspergillus/Penicillium300800
Basidiosporen5001000
Chaetomium50100
Cladosporium spp.200600
Typ Epicoccum100200
Hyphenstücke100200
Typ Stachybotrys2050
Typ Scopulariopsis/Doratomyces100200

Wenn die angegebenen Sanierungsziele erreicht sind, erfolgt die Freigabe zum Wiederaufbau.