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Sachverständigenbüro Richardson
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Orientierungshilfen zur Bewertung von Schimmelpilzbefall im Fußbodenaufbau

1. Einleitung

Mit dem Leitfaden "Zur Bewertung und Sanierung von Schimmelpilzschäden" des Umweltbundesamtes [1] und den "Handlungsempfehlungen für die Sanierung von Schimmelpilzschäden" des LGA Baden-Württemberg [2 und 3] ist die Diskussion, wann und wie mit Schimmelpilzen belastete Materialien saniert werden, zu einem Topthema in der aktuellen Schimmelpilzdiskussion geworden. In beiden Leitfäden ist die Forderung vorrangig, dass mit Schimmelpilzen belastetes Material zu entfernen ist.

"Schimmelpilzwachstum im Innenraum stellt ein hygienisches Problem dar, das aus Vorsorgegründen nicht toleriert werden kann. Bei nachweislichem Schimmelpilzwachstum im Innenraum müssen fachgerechte Sanierungsmaßnahmen zur Beseitigung der Schimmelpilze durchgeführt werden."([1] S. 53). Umgesetzt und relativ einheitlich bei der Bewertung behandelt wird dieses Ziel im Bereich von Gipskartonwänden, Tapeten und ähnlichen zur Raumluft hin offenen Materialien. Strittig und uneinheitlich ist die Sanierung von Hohlräumen wie z.B. in Fußbodenaufbauten.

Im Vordergrund steht dabei die Frage, ob und ab welchen Konzentrationen ein Schimmelpilzbefall im Fußbodenaufbau aus hygienischer Sicht zu entfernen ist. In dem vorliegenden Papier wird ein erster Bewertungsvorschlag in die öffentliche Diskussion gebracht. Es hat zum Ziel, dass eine einheitliche und damit vergleichbare und transparente Vorgehensweise bei der Bewertung von mit Schimmelpilzen belasteten Fußbodenaufbauten vorliegt. Mit diesem Papier nicht berücksichtigt werden die in der aktuellen Forschung diskutieren Auswirkungen von Actinomyceten [4].

1.1 Fußbodenaufbauten

Estriche sind großflächige Fußbodenaufbauten aus Mörtel, Bitumen oder Fertigbauplatten. Grundsätzlich werden Fußbodenaufbauten unterschieden nach der Verlegeart in: Verbundestrich, Estrich auf Trennschicht, schwimmender Estrich und Fertigteilestrich, dem verwendeten Bindemittel in Nass- bzw. Mörtelestriche (Zement-, Anhydrit-, Magnesiaestrich), in bitumengebundene Estriche (Gussasphaltestrich) und in kunstharzgebundene Estriche. Außerdem gibt es Fertigteilestriche (Trockenestrich) aus vorgefertigten, kraftschlüssig miteinander verbundenen Plattenelementen, die trocken eingebaut und mit einem Bodenbelag belegt werden. Im Wesentlichen wird dabei unterschieden zwischen den verwendeten Werkstoffen (Holzwerkstoffplatten, Gipskartonplatten und Gipsfaserplatten) und der Verlegeart (vollflächig schwimmende Verlegung oder Verlegung auf Lagerhölzern). Der schwimmende Zementestrich /Anhydritestrich wird im Bereich des privaten Innenraums am häufigsten eingesetzt. Vor allem die Verwendung von selbstnivellierendem Anhydrit-Fließestrich ist im Bereich der Neubauten auf dem Vormarsch. Dabei wird der Estrich auf einer dem Trittschall und/oder dem Wärmeschutz dienenden, wannenförmig ausgebildeten Dämmschicht aufgebracht. Am häufigsten werden für die Dämmungen Polystyrole, seltener auch Mineralwolle oder extrudierte Dämmplatten verwendet, z.B. Polyurethan. In Altbauten (vor oder nach der Sanierung) und bei der Verlegung von Trockenestrichen finden sich häufiger Schüttungen aus Schlacke, bituminierte Kokosfasern, Perlite, Pappen, künstliche Mineralfasern, Lehm etc.

Abb. 1-1:
Konstruktionsbeispiel Mörtelestrich auf Dämmschichten [aus 5] Bodenanschluß: Kunstoffsockelleiste mit PVC-Bodenbelag

  1. tragender Untergrund (Massivdecke)
  2. Wandputz
  3. Randdämmstreifen
  4. Dämmung/Trittschall
  5. Abdeckung
  6. schwimmender Estrich
  7. Mauerwerk
  8. Sockelleiste
  9. Bodenbelag

2. Schadensabschätzung

Bei der Abschätzung einer Schimmelpilzbelastung im Fußbodenaufbau nach Durchfeuchtungsschäden müssen folgende Differenzierungen vor- genommen werden:

 

2.1 Abwasser oder Frischwasser

Die Durchfeuchtung des Fußbodenaufbaus mit Abwasser ist aufgrund der Verkeimung mit infektiösen Fäkalkeimen wie bspw. Enterobakterien wie E. coli kritischer zu bewerten als die mit Frischwasser. Aus diesem Grund sind immer Materialproben aus dem Fußbodenaufbau zu entnehmen.

Sollten Fäkalkeime nachzuweisen sein, so wird die Entfernung des Fußbodenaufbaus empfohlen.

2.2 Schadensalter

Schäden in einer Dämmung aus Polystyrol, die über drei Monate andauern, sind mit sehr viel größerer Wahrscheinlichkeit deutlich mikrobiell belastet, als Schäden, die unter drei Monaten liegen. Diese Aussage basiert auf einer Einschätzung aufgrund von umfangreichen Erfahrungen. Zur Absicherung ist die Probenahme von Materialien zu empfehlen. Bei der Verwendung von Dämmungen aus Naturstoffen und Aufbauten beginnt das Schimmelpilzwachstum relativ schnell nach Schadenseintritt, so dass hier ein Schadensalter praktisch nicht genannt werden kann und in jedem Fall Materialproben zu entnehmen sind.

2.3 Neubau, Altbau

Im Neubau ist im Zementstrich die Alkalitat deutlich höher als im Altbau. Kommt es im Neubau zu einem Wasserschaden im Fußbodenaufbau, ist das Wachstum aufgrund des hohen pH-Wertes zunächst deutlich inhibiert. Sollte der Schaden über einem Zeitraum von sechs Monaten nicht behoben werden, ist allerdings auch hier mit relevantem mikrobiellem Befall zu rechnen.

Im Altbau ist von einem sehr viel schnelleren Schimmelpilzwachstum auszugehen, da abgelagerte Stäube in Zusammenhang mit Feuchtigkeit bereits einen idealen Nährboden für das Wachstum ergeben. Selbst wenn die eingesetzten Materialen wie Perlite oder Schüttungen nicht den idealen Nährboden bieten, so ist durch die Staubanlagerung ein Befall schnell möglich, wenn Sperrschichten vorhanden sind.

2.4 Durchfeuchtung von Trockenestrichen

Wird ein Trockenestrich durchfeuchtet, ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass die Materialien mikrobiell großflächig bewachsen sind. Auf natürlichen Materialien, die üblicherweise im Trockenstrichaufbau eingesetzt werden, wie Gipskarton, Gipsfaserplatten und Holzwerkstoffplatten, wachsen bei hoher Feuchtigkeit Schimmelpilze wie Stachybotrys chartarum, Acremonium sp. besonders gut und schnell. Aus diesem Grund sind auch bei der Beurteilung, ob der Estrich (Aufbau) zu entfernen ist, immer Materialproben zu entnehmen. Die Materialproben sind dabei olfaktorisch, visuell und mikroskopisch zu beurteilen. Da die eingesetzten Materialien schnell mikrobiell bewachsen und eine schadensfreie Trocknung häufig sehr schwierig ist, ist aus hygienischen Gründen bei Erkennen eines mikrobiellen Befalls durch Augenschein, durch Mikroskopie oder durch Geruchsauffälligkeiten das Material zu entfernen. Zur Begrenzung des zu sanierenden Bereiches sollten ebenfalls Materialproben genommen werden.

2.5 Durchfeuchtung von Estrichen aus Zement-, Anhydrit-, Magnesia- und Gussasphalt

Estriche aus Zement-, Magnesia- oder Gussasphalt sind seltener und i.d.R. nicht sehr hoch mit Schimmelpilzen belastet, da das Material nicht genügend Nährstoffe für ein optimales Schimmelpilzwachstum bietet. Ein Estrich aus Anhydrit (Gips mit Zuschlagstoffen) kann jedoch hoch mit Schimmelpilzen belastet sein und ist deshalb bei der Materialbeprobung mit zu berücksichtigen.

Die unterhalb des Estrichs liegende Dämmschicht und der Randdämmstreifen bieten in Zusammenhang mit Feuchtigkeit für ein Schimmelpilzwachstum eine gute Nährstoffgrundlage. Auch wenn Licht, Sauerstoff und pH-Verhältnisse unterhalb des Estrichs nicht optimal sind und es deshalb zu einem nicht optimalen Wachstum der Schimmelpilze kommt, können alle als Dämmung verwendeten Materialien im Fußbodenaufbau von Schimmelpilzen bewachsen werden.

Aufgrund meiner Erfahrung ist nach einer Zeit von drei bis sechs Monaten Dauerdurchfeuchtung i.d.R. die Dämmung aus Polystyrol mit Schimmelpilzen bewachsen, so dass der Fußbodenaufbau möglicherweise (!) zu entfernen ist. Deshalb sollte bei einem Feuchteschaden, der älter als drei Monate ist, durch Materialproben der Schimmelpilzbefall überprüft werden. Dämmungen aus Mineralfasern, Holzfaserplatten, Zellulose, Kokos o.ä. sind häufig früher mit Schimmelpilzen belastet. Deshalb sind immer Materialproben nach einem Durchfeuchtungsschaden zu nehmen. Hier stellt sich aber zunächst noch die Frage, ob die mit Schimmelpilzen belastete Dämmung zu entfernen ist, oder ob diese im Fußbodenaufbau verbleiben kann, da sich die Luft unterhalb des Estrichs nicht so deutlich der Raumluft mitteilt und so eine Emission von Sporen in die Raumluft nicht zwingend vorliegen muss. Neben der mikrobiellen Belastung stellt sich nach Durchfeuchtungsschäden auch die Frage nach bautechnischen Veränderungen. So ist z.B. eine durchfeuchtete Dämmung aus Mineralfasern häufig (auch nach der Trocknung) zusammengedrückt und erfüllt nicht mehr die Schallanforderungen wie vor der Durchfeuchtung. Auch sind Materialien wie Lehm, Pappen, Gips und Schüttungen nur schwer zu trocknen.

Auf dieses Thema wird im vorliegenden Papier nicht näher eingegangen. Aus hygienischer Sicht ist eine vollständige technische Trocknung die Vorraussetzung dafür, dass durchfeuchtete, nicht oder nur wenig belastete Materialien im Fußbodenaufbau verbleiben können.

3. Analytik

Die Bewertungsvorschläge basieren auf der aufgeführten mikrobiellen Analytik.

3.1 Materialproben

Um auszuschließen, dass eine nachgewiesene Schimmelpilzbelastung im Material des Fußbodenaufbaus (Dämmung/Trittschall) durch lokale Ablagerungen (z.B. Staub im Rohbau auf Betonplatte, Abfälle etc.) entstanden ist, wird an mindestens drei unterschiedlichen Stellen der Trittschall (Seite, die mit Wasser in Berührung gekommen ist) im durchfeuchteten Bereich beprobt. Da der Randdämmstreifen ebenfalls mit Schimmelpilzen belastet sein kann, sollte dieser extra beprobt werden. Die Probenahme erfolgt in Anlehnung an die VDI 4300 Blatt 10. Analytische Methode: Einwaage in Verdünnungspuffer, schütteln und Verdünnung in Zehnerschritten. Ausplattierung von jeweils 0,1 ml vom Originalansatz und von mehreren Verdünnungsstufen auf je zwei der folgenden Nährböden: DG 18-Agar (mit Chloramphenicol), Malzextrakt-Agar (mit Chloramphenicol). Inkubation bei 24 ± 0,5°C. Mehrfache Auswertung der Nährböden während eines Zeitraumes von bis zu 14 Tagen durch ein Labor, das erfolgreich an Ringversuchen teilnimmt.

3.2 Luftmessungen

Um zu prüfen, ob es zu einem Austritt von Sporen aus der Dämmung kommt, sollten Raumluftmessungen unter nutzungsbedingten / aggressiven Bedingungen (Türen schlagen und bewegen der Estrichplatte durch Provokation) durchgeführt werden. Die Probenahme erfolgt nach den Richtlinien des VDBs und in Anlehnung an VDI 4300 Blatt 10. Dabei wird Raumluft auf DG 18-Agar und Malzextrakt-Agar impaktiert. Zusätzlich sollte als weitere Entscheidungshilfe eine Partikelsammlung durchgeführt werden. Zu berücksichtigen ist bei der Luftmessung und der anschließenden Bewertung, dass bei Wasserschäden im Fußbodenaufbau häufig auch die aufgehenden Wände mikrobiell belastet sind, so dass bei der Raumluftmessung evt. nicht nur die Quelle in der Dämmung erfasst wird.

Für die nachfolgende Bewertung sollte nur die Dämmung im Fußbodenaufbau als Quelle vorliegen.

Analytische Methode: Bebrütung der Nährmedien (Malzextrakt-Agar und DG 18-Agar) bei 24°C, Zählung und Identifizierung der koloniebildenden Einheiten und ggf. lichtmikroskopische Auswertung von Partikelsammlungen nach Anfärbung mit Lactophenolblaulösung. Auswertung in einem Labor, das erfolgreich an Ringversuchen teilnimmt.

3.3 Luftmessungen aus der Abluft des Estrichs

Wird der Fußbodenaufbau getrocknet, besteht während der Trocknung die Möglichkeit, die aus dem Estrich gezogene, feuchte Luft auf Schimmelpilze zu untersuchen. Um isokinetische Strömungen bei der Abluftmessung mit zu berücksichtigen, wurden spezielle Probenahmevorrichtungen entwickelt.

Die analytische Methode und die Verwendung der Nährmedien mit den entsprechenden Probenahmevolumen entsprechen den o.g. Probenahmeverfahren. Die Bewertung findet in Zusammenhang mit den o.g. Luftmessungen statt. Dieses Messverfahren ist noch in der Entwicklung und Erprobungsphase. Erste Untersuchungen zeigen, dass in der Abluft die Konzentration an Schimmelpilzen deutlich niedriger ist, als die Konzentration im Material annehmen lässt. Diese Methode der Untersuchung (als besonders aggressives Probenahmeverfahren) eignet sich möglicherweise als Verfahren, um zu prüfen, mit welcher SchimmelpilzsporenKonzentration im worstcase zu rechnen ist.

4. Fallbeispiel mit Untersuchungsergebnissen

In einem Neubau ist ca. neun Monate lang Wasser aus einem nicht abgedichteten Wasserrohr in den Fußbodenaufbau gelaufen. Der Fußbodenaufbau ist ein Zementestrich mit einer Styropordämmung. Aufgabe war es zu entscheiden, ob der Estrich zu entfernen oder ob eine Trocknung ausreichend ist. Um den Schaden soweit wie möglich zu reduzieren, wurde nach der Ursachenbehebung direkt mit der Trocknung im Saugverfahren begonnen. Die angrenzenden Gipskartonwände wurden aufgrund des mikrobiellen Befalls im Sockelbereich entfernt.

Materialproben: Insgesamt wurden zehn Materialproben (Raumgröße ca. 70 m2) aus der Trittschalldämmung (Bereiche der Trocknungsöff nungen) genommen. Routinemäßig werden auch die Bakterien erfasst, selbst wenn diese zur Zeit noch nicht so zu bewerten sind wie Schimmelpilze.

Ergebnis der Untersuchungen: Der Fußbodenaufbau kann getrocknet werden und ist nicht zu entfernen.

Begründung: Sowohl die Konzentrationen als auch die unauffälligen Artenzusammensetzungen im Material, in der Raumluft und in der Abluft sind so gering, dass ein hygienisches Risiko aufgrund des Schimmelpilzbefalls nicht zu erwarten ist.

4.1 Materialproben

ProbeNähragar/
Temperatur
Auswertung
    Pilze und BakterienKBE/g a
Styropor DG 18/24°CAspergillus sydowii1,8 x 103
    Hefen1,4 x 103
    Aspergillus versicolor7,0 x 102
    Aspergillus sp.< 7,0 x 102
    Summe< 4,6 x 103
  Malz/24°CHefen5,6 x 103
    sonstige Kolonien7,0 x 102
    Summeb
  CASO/24°Cnicht identifizierte Bakterien (keine Actinomyceten)4,9 x 105
    Bacillus spp.1,4 x 103
    Summe> 4,9 x 105
Nachweisgrenze 700 KBE/g a berechnet b für die Kultivierung auf Malzextrakt-Agar werden nur Ergebnisse angeführt, die auf DG 18-Agar nicht erhalten wurden
ProbeNähragar/
Temperatur
Auswertung
    Pilze und BakterienKBE/g a
Styropor DG 18/24°CAspergillus versicolor9,5 x 102
    sonstige Kolonien9,5 x 102
    Hefen4,1 x 102
    Summe2,3 x 103
  Malz/24°C(sehr viele Bakterien)5,6 x 103
    Summeb
  CASO/24°Cnicht identifizierte Bakterien (keine Actinomyceten)3,2 x 107
    Summe3,2 x 107
Nachweisgrenze 270 KBE/g Tabelle 4-1: zwei Ergebnisse einer mit Schimmelpilzen belasteten Styropordämmung aus dem Fallbeispiel

4.2 Raumluftmessungen

Proben/Nähragar/Auswertung
TemperaturPilzeKBE/m3 Luft a
4 Konferenzraum 1 sterile Kolonien b100
Malz/24°CPenicillium sp.10
  Summe110
4 Konferenzraum 1 Penicillium spp.30
DG 18/24°CAspergillus versicolor10
  Cladosporium sp.10
  sterile Kolonien b10
  Summe60
5 Konferenzraum 3 sterile Kolonien b210
Malz/24° CCladosporium sp.10
  Summe220
5 Konferenzraum 3 Penicillium spp.30
DG 18/24°CWallemia sebi20
  Summe50
10 Außenluft/Malz/24°Csterile Kolonien 890
  Penicillium spp.30
  Botrytis sp.10
  Summe930
10 Außenluft/DG 18/24°CWallemia sebi60
  Cladosporium spp.30
  Eurotium sp.
(Aspergillus glaucus G.)
20
  Penicillium sp.10
  Summe120
b Kolonietypen überwiegend wie in der Außenluftprobe Tabelle 4-2: Ergebnisse der Raumluftuntersuchungen in dem Raum mit belastetem Styropor

4.3 Abluftmessungen

Proben/Nähragar/Auswertung
TemperaturPilzeKBE/m3 Luft a
1 Abluft rechts, Aspergillus versicolor300
KonferenzraumPenicillium spp.70
Malz/24°CChaetomium sp.10
  Summe380
1 Abluft rechts, Aspergillus versicolor250
KonferenzraumPenicillium spp.70
DG 18/24°CChrysonilia sitophlia10
  Cladosporium spp.10
  Summe340
2 Abluft links, Penicillium spp.90
KonferenzraumAspergillus versicolor10
/Malz/24°Csterile Kolonien10
  Summe110
2 Abluft links, KonferenzraumPenicillium spp.90
DG 18/24°CAspergillus versicolor10
  Summe100
Tabelle 4-3: Ergebnisse der Abluftuntersuchungen aus dem Trocknungskanal mit belastetem Styropor

4.4. Gesamtsporenbestimmung in der Abluft

BezeichnungPilzsporen Übersichtsauswertung aSonstiges
Abluft rechts
Spur 1
Kein Nachweis von Sporen von Stachybotrys und ChaetomiumHautschuppenkonzentration:
sehr niedrig Partikelkonzentration (keine Pilze): mittel 3 Pollen/200 l Luft 6 KMF-Bruchstücke/200 l Luft
Abluft links
Spur 2
Kein Nachweis von Sporen von Stachybotrys und ChaetomiumHautschuppenkonzentration:
sehr niedrig Partikelkonzentration (keine Pilze): mittel 1 Pollen/200 l Luft 5 KMF-Bruchstücke/200 l Luft
Tabelle 4-4: Ergebnisse der Abluftuntersuchungen auf Gesamtsporen aus dem Trocknungskanal mit belastetem Styropor

5.1 Schimmelpilzkonzentrationen im Material

Liegen im Material (nach Methode s. Punkt 3.1) Konzentrationen in der Summe über 105 KBE/g vor oder > 103 KBE/g von einer gesundheitlich besonders relevanten Art wie Stachybotrys chartarum, Aspergillus fumigatus oder Aspergillus niger, so ist von einem massiven Schimmelpilzschaden auszugehen, der ein nicht einzuschätzendes hygienisches Risiko mit sich bringt. Vorraussetzung für diese Aussage ist, dass das Ergebnis statistisch abgesichert ist. Dann wird bei Konzentrationen in dieser Größenordnung empfohlen, das belastete Material zu entfernen. Ergeben die Materialproben geringere Konzentrationen, so sind Raumluftuntersuchungen und/oder Abluftuntersuchungen der Trittschalldämmung durchzuführen, um zu prüfen, wie hoch der Eintrag an Sporen in die Raumluft ist.

5.2 Schimmelpilzkonzentrationen in der Luft

Werden in der Raumluft Schimmelpilzkonzentrationen nachgewiesen, die nach dem Bewertungsschema des Umweltbundesamtes in die erste Kategorie (Bewertungsschema als Tabelle im Anhang) eingestuft werden, so sind keine weiteren Maßnahmen notwendig. Das hygienische Risiko ist gering zu bewerten. Wird die Bewertungskategorie zwei (Innenraumquelle wahrscheinlich) erreicht, so sind Abdichtungsmaßnahmen zu treffen, so dass die Sporen aus dem Fußbodenaufbau nicht mehr in die Raumluft gelangen können. Das Durchführen von Abdichtungsmaßnahmen bedarf der genauen Planung. Wurde ein stark durchfeuchteter Boden technisch getrocknet, so ist häufig auch noch längere Zeit nach der Trocknung davon auszugehen, dass Feuchtigkeit aus dem Fußbodenaufbau in die Raumluft diffundiert (Diffusionsgefälle).

Diese Diffusion darf auf der einen Seite nicht unterbunden werden, da sich ansonsten Schimmelpilze erneut bilden können; andererseits sind Maßnahmen zu treffen, dass Partikel und Gerüche nicht in die Raumluft gelangen. Durch erneute Raumluftmessungen nach der Abdichtung ist die Dichtigkeit der Wartungsfugen zu kontrollieren. Liegt die Konzentration deutlich (mindestens Faktor 2) über der Bewertungskategorie 3 des Umweltbundesamtes, so sollte aus Vorsorgegründen der Fußbodenaufbau entfernt werden. Bei der Provokations-Messung (Luft aus dem Estrich) sollten dabei deutlich höhere Konzentrationen vorliegen (mindestens Faktor 5 über Bewertungskategorie 3 des Umweltbundesamtes), um den Fußbodenaufbau zu entfernen.

6. Fazit

Nicht nach jedem Wasserschaden ist von einem so großen Schaden auszugehen, dass der Fußbodenaufbau zu entfernen ist. Sofort-Trocknungsmaßnahmen sind häufig einzusetzen, um den Schadensumfang so weit wie möglich zu reduzieren und evt. durch Desinfektionsmaßnahmen ein weiteres Wachstum bis zur Auswertung der Laborergebnisse zu vermeiden. Dennoch kann die Entscheidung trotz Trocknung immer noch auf die Entfernung des Estrichs hinauslaufen. Für eine Bewertung zu berücksichtigen sind die Art und Dauer des Schadens, das Baumaterial, die Höhe und die Art der festgestellten Konzentrationen und Emissionen der Schimmelpilzsporen und die betroffenen Räumlichkeiten. Werden die vorliegenden Entscheidungshilfen berücksichtigt, so werden Gutachten mit ihren Empfehlungen transparenter und vergleichbarer.

Sicherlich entstehen zum jetzigen Zeitpunkt auch noch Fragen, insbesondere die, ob mit der Schimmelpilzerfassung das eigentliche hygienische Problem auch erfasst wird. Da zum jetzigen Zeitpunkt keine besseren Werkzeuge zur Verfügung stehen, sollten wir das bereits Bekannte nutzen und vereinheitlichen. Eine weitere dringende Frage, die der Klärung und Forschung bedarf, ist, wie Estrichfugen abgedichtet werden können und mögliche Restfeuchte noch heraus- diffundieren kann, ohne dass Partikel und Gerüche mit in die Raumluft gelangen. Es liegen dazu unterschiedliche Ansätze vor, die im Lang- zeitversuch noch nicht abschließend erforscht sind.

 

Danksagung

Für die Überlassung von Rohdaten aus Wasserschäden im Fußbodenbereich und damit der Auswertung von über 100 Schadensfällen und hilfreichen Diskussionen bei der Bewertung bedanke ich mich bei meinen Kollegen und Kolleginnen im VDB, insbesondere bei Herrn Szabo, Frau Dr. Dill, Herrn Münzenberg und Herrn Dr. Grün.

7. Literatur

[1] Umweltbundesamt: Leitfaden zur Vorbeugung, Untersuchung, Bewertung und Sanierung von Schimmelpilzwachstum in Innenräumen, 2002

[2] Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg: Abgestimmtes Arbeitsergebnis des Arbeitskreises "Qualitätssicherung - Schimmelpilze in Innenräumen" am Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg, Dezember 2001

[3] Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg: Handlungsempfehlungen für die Sanierung von mit Schimmelpilzen befallenen Innenräumen, Februar 2004

[4] Frick, Knöll, Neumann, Weinbrenner: Baukonstruktionslehre Teil 1, B.G. Teubner Stuttgart, 1992

[5] Lorenz, Wolfgang, Dr. Ing.: Mikroorganismen und rheumatoide Beschwerden, in: Tagungsband der 7. Pilztagung des VDB, Juni 2003, S. 55-60 und Vortrag bei WaBoLu Innenraumtage in Berlin, Mai 2004


Autor:
Dipl.-Biol. Nicole Richardson, Sachverständigenbüro Richardson, Witten; Berufsverband Deutscher Baubiologen - VDB e.V.