Glückwunsch! Im Mai feierte unsere Kollegin Birgit Grimm ihr 20-jähriges Jubiläum. Ein wie wir finden schöner Anlass für ein kleines, persönliches Interview über die beruflichen Herausforderungen, Erlebnisse und Erfahrungen einer Sachverständigen mit Leib und Seele. 

Kannst Du Dich an Deine Anfänge erinnern? Was ist Dir von Deinem ersten Tag bei Richardson in Erinnerung geblieben?

Sehr gut kann ich mich erinnern. Ich war auf alle Fälle aufgeregt. Zusammen mit Nicole habe ich in einer Schule unzählige – so schien es mir – Raumluftmessungen auf Schimmelpilzsporen in ebenfalls unzähligen Räumen der unterschiedlichen Etagen durchgeführt, unermüdlich treppauf, treppab.

Am Abend bin ich völlig erschöpft ins Bett gefallen. Aber alles hat so gut funktioniert, dass ich mich auf den nächsten Tag und diesmal ohne Aufregung sehr gefreut habe, obwohl abermals viele Messungen auf dem Plan standen.

 

20 Jahre sind in der heutigen Berufswelt eine wahrlich lange Zeit. Warum bist du so lange geblieben?

Als ich 2000 bei Nicole als erste Mitarbeiterin angefangen habe, ahnte ich nicht, dass ich auch noch im Jahr 2020 hier arbeiten würde.

Wenn man aber jeden Montag gerne zur Arbeit kommt, die Arbeit Spaß macht und geschätzt wird, man die Unterstützung und das Vertrauen seiner Chefin hat, bleibt man sehr gerne.

Es erfüllt mich mit Zufriedenheit und Stolz, dass das Sachverständigenbüro, mittlerweile ist es ja die Sachverständigengesellschaft, über die Jahre so erfolgreich geworden ist. Wir haben sehr viel erlebt und erreicht, wodurch bei mir eine Verbundenheit, Loyalität und Identifizierung mit dem Büro gewachsen ist — ja, ich kann sagen, dass es vom Gefühl her auch ein Stück weit mein Büro ist, wie ein Zuhause.

 

Was macht für Dich die Faszination an Deinem Beruf aus?  

Die Abwechslung! Jeder Tag ist anders. Jedes Projekt, jeder Fall ist eine neue Herausforderung. Sich immer wieder, und mit mittlerweile viel Erfahrung und Sachverstand, den Problemen unserer Kunden zu stellen, das fasziniert mich an meinem Beruf am meisten. Hinzu kommt, dass ich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse ständig hinzulerne und mein Wissen immer noch erweitern kann. Stillstand gibt es nicht.

 

Wie hat sich die Tätigkeit in den letzten Jahren/Jahrzehnten gewandelt?

Zu Beginn meiner Tätigkeit, in der damals noch als Baubiologie Richardson bezeichneten Sachverständigengesellschaft, haben wir zu einem Großteil Schadstoffuntersuchungen in privaten Haushalten durchgeführt, denn Ärzte, Krankenkassen und Beratungsstellen haben ihre Kunden an uns verwiesen, um den Ursachen für gesundheitliche Beschwerden durch Innenraumschadstoffe auf den Grund zu gehen und Lösungen anzubieten. Nicht in wenigen Fällen schienen jedoch die Ortstermine für die Betroffenen eher störend, weil mitunter die empfohlenen Maßnahmen Änderungen bedeuteten – baulich oder auch auf das Nutzerverhalten bezogen – für die jedoch die Einsicht fehlte. Das war schon manchmal frustrierend, wenn vorgeschlagene Lösungen für das Problem am Ende auf verschlossene Ohren trafen, obwohl man gerne weiterhelfen wollte und auch gekonnt hätte.

Heute haben wir zu 80% größere Projekte im Auftrag öffentlicher Träger oder Unternehmen, die ein großes eigenes Interesse daran zeigen, Verdachtsmomenten auf den Grund zu gehen und Unterstützung bei der Durchführung notwendiger Sanierungen zu erhalten. Man ist meist über einen längeren Zeitraum vor Ort und arbeitet mittlerweile eher partnerschaftlich mit den Auftraggebern zusammen. Hier schreibe ich Sanierungskonzepte, die dann auch wirklich umgesetzt werden. Es ist ein schönes Gefühl, wenn die anschließenden Kontrollmessungen so ausfallen, dass die Räume wieder uneingeschränkt nutzbar sind.

 

Was war Deine größte Herausforderung?

Neben der großen Herausforderung in das neue Fachwissen einzutauchen und es mir nach und nach vertrauter zu machen, was für mich als Chemieingenieurin am Anfang insbesondere den Bau und die Bauabläufe betraf,  bestand und besteht die eigentlich bedeutsamere Herausforderung darin, die Interessen bzw. Sorgen der Kunden zu verstehen und alle Beteiligte unter einen Hut zu bringen, um ein Projekt erfolgreich bearbeiten zu können. Was manchmal gar nicht so einfach ist. Ich habe dafür Moderationstechniken erlernt und ein Gespür für die verschiedenen Personengruppen entwickelt. Heute gehört dies alles mittlerweile zum normalen Alltag.

Ansonsten gab es aber auch spannende Herausforderungen, die mit den Probenahmen, und speziell den Probenahmeorten zu tun haben.  Mir kam immer sehr zugute, dass meine Neugier bei der Beschäftigung mit Fragestellungen stärker war als die Furcht, denn sonst wäre es schwierig hoch oben in einem Kirchturm, auf einem Gerüst unterhalb einer Sporthallendecke, in einem nur 60 cm hohen Kriechkeller oder in einer Lüftungszentrale Proben zur späteren Analyse zu entnehmen. Man sollte eben auf alles gefasst sein.

 

Gibt es etwas, was Du noch unbedingt untersuchen möchtest?

Am liebsten würde ich alte Objekte, für die ich vor längerer Zeit ein Sanierungskonzept geschrieben habe, nochmals begutachten, um zu sehen ob meine Vorgaben zielführend waren.

Ansonsten finde ich die Untersuchung von Kabinen auf Kreuzfahrtschiffen eine sehr interessante Sache. Natürlich nicht, um einfach günstig mit zu fahren, sondern um dem Verdacht nachzugehen, dass Schadstoffemissionen nicht nur im küstennahen Bereich, in dem die Schiffe kreuzen, vorliegen, sondern dass ggf. auch an Bord in den Kabinen Schadstoffbelastungen nachzuweisen sind.

Bisher haben wir eine derartige Anfrage noch nicht erhalten, doch wer weiß – ich bin bereit!

 

Birgit, vielen Dank und noch viele interessante und schöne Jahre mit glücklichen Montagen!